Empfehlungen der DGE

Wir sind sehr froh, dass die DGE am 29.08.2017 ihre „10 Regeln“ für eine gesunde Ernährung aktualisiert hat. Unter Experten galten die Empfehlungen zunehmend als „angestaubt“. Etliche Fachleute hatten seit geraumer Zeit eine Überarbeitung gefordert. Jetzt wurden einige bekannte Empfehlungen sogar gestrichen:

In der überarbeiteten Version empfielt die DGE nicht mehr, zu „reichlich Getreideprodukten und Kartoffeln“ zu greifen. Dieser Rat führte zu einem ausgedehnten Kohlehydratverzehr und war insofern problematisch, da nicht auf den „Raffinationsgrad“ von Getreideprodukten eingegangen wurde, obwohl in der Gesamtbevölkerung zuviel Weißmehl und Zucker konsumiert werden. Stattdessen betont die Gesellschaft nun, dass es besser ist, bei Getreideprodukten die Vollkornvariante zu wählen. Lebensmittel aus Vollkorn sättigen länger, enthalten mehr Nährstoffe und senken das Risiko, einen Diabetes mellitus zu entwickeln, das stimmt uneingeschränkt. Aus unserer Sicht ist trotzdem dann Vorsicht geboten, wenn eine Glutensensitivität bekannt ist: Denn Gluten und Gliadin befinden sich bei vielen Getreidesorten im Vergleich zum Korn in höherer Konzentration in der Hülle. Insofern ist aus unserer Sicht bei vorliegender Glutensensitivität differenzierter zu empfehlen.

Gestrichen wurde der Punkt, Eier nur in Maßen zu konsumieren sowie wenig fettreiche Lebensmittel und Cholesterin zu sich zu nehmen. Cholesterin in der Nahrung wirkt sich bei den meisten Menschen ohnehin nur unwesentlich auf den Cholesterinspiegel im Blut aus, da es zu über 80% im Organismus gebildet wird. Fettverzicht führt oft aber zu geringer Aufnahme von ungesättigten Fettsäuren, wie sie etwa in Leinöl, Rapsöl, Olivenöl, Nüssen oder fettem Fisch vorkommen. In punkto Fett betont die DGE nun ausdrücklich, pflanzliche und ungesättigte Fette zu wählen. Das finden wir gut. Allerdings geht die DGE nicht auf die Problematik ein, dass der Anteil der Omega-6 Fettsäuren in den Nahrungsmitteln in den letzten Jahren überproportional angestiegen ist. Aus unserer Sicht sollten deshalb eher ungesättigte Fette mit hohem Omega-3 Fettsäureanteil bevorzugt werden.

Glücklicherweise empfielt die DGE im Zusammenhang mit „versteckten Fetten“, die in verarbeiteten Lebensmitteln wie Wurst, Gebäck, Süßwaren, Fast Food und Fertigprodukten stecken, zu meiden. Sie weist damit indirekt darauf hin, dass der Prozessierungsgrad bei der Verarbeitung von Nahrungsmitteln einen wesentlichen Einfluss auf deren Gesundheitsförderlichkeit hat.

Die DGE rät in den „10 Regeln“ nicht mehr, bei Milch fettarme Produkte zu bevorzugen. Das macht Sinn, denn neuere Daten zeigen: Auch Milchfett kann helfen, das Risiko für Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Experten hatten schon länger gefordert, gesättigte Fettsäuren nicht generell zu verteufeln. Wir empfehlen bei Milchprodukten zusätzlich, vorzugsweise pasteurisierte, nicht aber homogenisierte Milchprodukte zu verwenden.

Präzisiert wurde auch der Rat, fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu verzehren. Hier gab es Kritik in Bezug auf den Fruchtzuckergehalt von Obst. Die DGE empfiehlt nun zwei Portionen Obst und mindestens drei Portionen Gemüse. Gut, dass nun auch betont wird, dass hierzu auch „Hülsenfrüchte wie Linsen, Kirchererbsen und Bohnen“ gehören, da diese reich an Ballaststoffen und Eiweiß sind.

Generell betont die Gesellschaft in 2017, dass die „Empfehlungen Platz für individuellen Spielraum lassen und nicht als starre Ge- oder Verbote zu verstehen sind“. Das ist gut so, denn Ernährungsfachleute hatten in der Vergangenheit häufig Probleme, ihre präventiven Kurse von Krankenkassen bezuschusst oder erstattet zu bekommen, wenn diese sich nicht starr an den Regeln der DGE ausrichteten.

Das Nährstoffverhältnis hat sich nicht verändert, die Richtwerte für Fett, Kohlenhydrate und Proteine seien weiterhin gültig, so die DGE. Wir sind dagegen der Auffassung, dass der Eiweißanteil in der täglichen Ernährung hätte nach oben korrigiert werden müssen, da Eiweiß länger sättigt und für den Aufbau von Muskulatur und Funktionsproteinen des Stoffwechsels benötigt wird.

Empfohlen wird, sich abwechslungsreich zu ernähren. Das unterstützen wir aus vielerlei Gründen vollinhaltlich. Je breiter und abwechslungsreicher Ernährung ist, desto besser.

Besonders zuckergesüßte Lebensmittel und Getränke sowie salzreiche Produkte gilt es zu vermeiden, so die DGE in Regel 6. Das findet unsere volle Zustimmung. Wir möchten in diesem Zusammenhang aber auch ausdrücklich auf die den Stoffwechsel beeinträchtigende Wirkung von Süßstoffen als Zuckerersatz hinweisen. Wer es süß mag, sollte besser mit Honig süßen.

Abgerundet werden die Regeln durch die Empfehlung, Lebensmittel schonend zuzubereiten, sich für Essen und Genießen Zeit zu nehmen. Auch das wollen wir vollinhaltlich unterstreichen und wünschen uns, dass die Menschen wieder zu einer Kultur und Ethik des Essens zurückfinden.

In Regel 10 weist auch die DGE auf den Zusammenhang zwischen Ernährung und Bewegung für Ihre Gesundheit hin. Dies und den Hinweis, den Alltag aktiv beweglicher zu gestalten wollen auch wir unterstreichen, denn beides gehört eng zusammen.

Hier können Sie die 10 Regeln der DGE in der 10. Auflage 2017 downloaden